Die Werte eines Familienbetriebs Hochhalten

Interview mit Kurt Hersperger und Mauro Fusco

Josef D’Aurelio, Tamara Hersperger, Kurt Hersperger, Mauro Fusco, Peter Habelt, Roland Ming und Yannick Hersperger (v. l. n. r. ).

Sanitäre Installationen, Heizungs-, Industrie- und Kälteanlagen, Boilerservice und ein 24-Stunden-Service, der schnell auf Fehlermeldungen und Störungen reagieren kann – die alltech Installationen AG mit Hauptsitz in Muttenz und ihrem Standort in Arlesheim, wo schwergewichtig die Dienstleistungen Service, Reparaturen und Wartungen sowie die Beratung untergebracht sind, gehört zu den führenden Installationsunternehmen der Nordwestschweiz. Auch als anerkannter Ausbildungsbetrieb geniesst die alltech Installationen AG, welche das Label «Top-Lehrbetrieb Gebäudetechnik» trägt, einen hervorragenden Ruf in der Region.

Ob kleine Sanierung oder Neubau von Grossprojekten – das Muttenzer  Familienunternehmen, aktuell auf rund 150 Baustellen in der Region tätig, übernimmt gleichermassen für Private oder Bauherrschaften aus Industrie, Gewerbe und Kommunen, Liegenschaftsverwaltungen, General- und Totalunternehmen sowie Architekten sämtliche Installationen im Bereich Gebäudetechnik. Diese beinhalten die technische  Ausführungsplanung mit modernster CAD-Anlage, die Projektleitung und die technische
sowie handwerkliche Realisierung. Die alltech Installationen AG erstellt aussagekräftige Kostenvoranschläge mit verbindlicher Terminplanung und fungiert für die Kunden im Privatbereich während der ganzen Bauphase als alleiniger Ansprechpartner.

Die Kompetenzen der alltech Installationen AG im Bereich Gebäudetechnik werden durch die steigende Zahl an privaten Kunden sowie durch zahlreiche realisierte oder gerade im Bau befindliche Grossprojekte eindrücklich dokumentiert. Namentlich seien hier die beiden Roche- Türme und weitere Bauprojekte auf dem Roche-Areal, Gebäude auf dem Novartis Campus, der Salmenpark in Rheinfelden, der Coop Oberwil, das Drachenzentrum in Basel, das Strafjustizzentrum in Muttenz, Actelion in Allschwil, das Kantonsspital in Liestal, der Messe-Schweiz-Erweiterungsbau, der Grosspeter Tower oder der Datacube in
Münchenstein genannt.

Seit ihrer Gründung vor 24 Jahren ist die alltech Installationen AG, die nach SN EN ISO 9001 arbeitet, kontinuierlich gewachsen. Wurden im Gründungsjahr 1997 noch 40 Mitarbeitende beschäftigt, sind es heute rund 200, davon 18 Auszubildende. Die alltech Installationen AG steht in der Tradition klassischer Familienunternehmen, hat sich jedoch vor einigen Monaten in der Geschäftsleitung im Sinne einer nachhaltigen Nachfolgeregelung neu aufgestellt. Firmenmitgründer und -inhaber Kurt Hersperger hat die operative Leitung des Unternehmens abgegeben und ist nun Delegierter des Verwaltungsrates. Weitere Mitglieder der Geschäftsleitung sind seine Kinder Tamara Hersperger (Human Resources) und Yannick Hersperger (Leiter Admin. & Logistik) sowie Roland Ming (CFO), Peter Habelt (Leiter Heizung & Kälte) und Josef D’Aurelio (Leiter Service & Kleinumbauten). Neuer CEO der alltech Installationen AG ist seit 1. Januar 2021 Mauro Fusco, der gleichzeitig den Bereich «Sanitär» verantwortet.

Im Interview mit dem «Geschäftsführer» geben Kurt Hersperger und Mauro Fusco Einblicke in die alltech Installationen AG, sprechen über die Unternehmensphilosophie und den Wechsel an der operativen Spitze.

«Geschäftsführer»: Am 1. Januar 2021 haben Sie die operative Leitung des Unternehmens an Mauro Fusco abgegeben – weshalb ist die Wahl auf ihn gefallen?
Kurt Hersperger: Das war natürlich ein längerer Prozess, an dem die Familie, der Verwaltungsrat und die Geschäftsleitung massgeblich beteiligt waren. Viele KMU tun sich mit der Nachfolgeregelung schwer, und ich habe uns deshalb fünf Jahre Zeit gegeben, um eine entsprechende Lösung zu finden, welche von allen Beteiligten mitgetragen wird. Es galt, jemanden zu finden, der den Betrieb kennt, unsere Unternehmensphilosophie mitträgt, menschlich zu uns passt, Führungsqualitäten sowie die technischen Kompetenzen und die praktische «Front-Erfahrung» hat. Mauro Fusco, der seit 2014 die Abteilung «Sanitär» leitet, erfüllt all diese Anforderungen, und wir sind glücklich, diese Wahl getroffen zu haben.

Direkt die Frage an Mauro Fusco: Mussten Sie lange überlegen, diese Herausforderung anzunehmen?
Mauro Fusco: Über die Nachfolge wurde in der breit aufgestellten Geschäftsleitung ja schon länger diskutiert, im Vordergrund stand allerdings vor allem auch, wie sich das Unternehmen für die Zukunft rüstet. Als ich dann konkret gefragt wurde, habe ich mich natürlich sehr gefreut, und nachdem ich die Situation mit meiner Frau besprochen habe, habe ich zugesagt. Der Entscheid fiel allerdings leicht, denn für mich war schon lange klar, dass ich in der alltech Installationen AG alt werden möchte, denn ich kann mich  hundertprozentig mit den Werten und Zielen des Unternehmens sowie der Führungs- und Mitarbeiterkultur identifizieren.

Wie erleben Sie nun die Anfangszeit in Ihrer neuen Führungsposition
und welche Veränderungen haben Sie sich vorgenommen?
Mauro Fusco: Durch die enge Zusammenarbeit mit Kurt Hersperger, der Familie und der Geschäftsleitung sowie als Leiter «Sanitär» – eine Position, die ich im Moment immer noch innehabe, früher oder später aber abgeben werde, um mich voll auf die Geschäftsführung konzentrieren zu können – kenne ich den Betrieb und dessen Abläufe sowie die Mitarbeitenden natürlich sehr gut. So gesehen musste ich nicht bei null anfangen. Trotzdem beschäftige ich mich zurzeit intensiv mit jeder Abteilung und mache mir ein genaues Bild. Grundsätzlich sehe ich keine grossen Veränderungen, aber durchaus Potenzial für Optimierungen, insbesondere bei der Rekrutierung von qualifiziertem Personal. Es ist mein Ziel, das Unternehmen mit Erfolg weiterzuführen, wobei auch neue Ideen Platz haben werden. Natürlich braucht es – gerade, wenn neue Mitarbeitende zur Firma stossen – auch Anpassungen bei Abläufen und Prozessen.

Die alltech Installationen AG ist seit ihrer Gründung markant gewachsen. Ist weiteres Wachstum geplant?
Kurt Hersperger: Qualitatives Wachstum ja, quantitatives Wachstum eher nein. Ich denke, dass wir ein gesundes Wachstum hinter uns haben, und jetzt gilt es, das Erreichte einerseits zu konsolidieren und andererseits die Voraussetzungen zu schaffen, um das Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Angesprochen wurden die Werte und die Kultur des Familienunternehmens
alltech Installationen AG – wodurch zeichnet sich das Unternehmen diesbezüglich besonders aus?
Mauro Fusco: Die alltech Installationen AG soll als lösungsorientiertes Team wahrgenommen werden, das mit Respekt, Professionalität und Wertschätzung den Kunden, Partnern und Mitarbeitenden begegnet. Ein wichtiges Thema in unserem Unternehmen ist die Weiterbildung der Mitarbeitenden, die eine starke Bindung zum Unternehmen haben und denen wir berufliche Perspektiven aufzeigen wollen, wozu wir auch eng mit dem Gebäudetechnikverband «suissetec» zusammenarbeiten. Ebenfalls stark engagieren wir uns als «Top-Lehrbetrieb Gebäudetechnik » in der Ausbildung von Lernenden sowie deren Rekrutierung.

Kurt Hersperger: Wir legen Wert darauf, dass wir als Familienbetrieb eine spezielle Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden haben. Sie geniessen grosses Vertrauen und finden jederzeit offene Türen bei der Geschäftsleitung, welche die Werte des Unternehmens vorlebt. Dank flacher Hierarchien kann offen und ehrlich kommuniziert werden, was sich einerseits positiv auf das Betriebsklima und das Wohlbefinden der Mitarbeitenden auswirkt, andererseits kreative Lösungsansätze auslöst. Dies schlägt sich wiederum in der Qualität unserer Arbeit nieder, wovon die Kunden profitieren.

Die alltech Installationen AG ist für Private, Verwaltungen oder die öffentliche Hand, für Gewerbe oder Industrie tätig, und die Referenzliste belegt die Vielseitigkeit und die Kompetenzen des Unternehmens eindrücklich. Aktuell sind Sie stark bei den Bauten auf dem Roche-Areal engagiert. Welche Bedeutung haben Aufträge eines Weltkonzerns in dieser Grössenordnung?
Mauro Fusco: Mit Roche verbindet uns schon eine längere und erfolgreiche Zusammenarbeit, welche grosse Anforderungen in punkto Qualität an uns stellt. Diese zu erfüllen bedingt unsererseits die Fähigkeit, auch neue Lösungsansätze zu entwickeln und neue Technologien im Bereich Gebäudetechnik unserem Knowhow hinzuzufügen, wovon
wir – und natürlich auch unsere Mitarbeitenden – enorm profitieren. Neben Grossprojekten wie bei der Roche sind aber auch kleinere Projekte in den Bereichen Sanitär und Heizungen ein ebenso wichtiger Bestandteil unserer Geschäftsaktivitäten. Ob Heizkessel auswechseln, Badzimmersanierungen oder Wartungen und Servicearbeiten – gerade bei Privaten
oder Hausverwaltungen stellen wir eine starke Nachfrage nach den Dienstleistungen der alltech Installationen AG fest.

Kurt Hersperger: An dieser Stelle möchte ich zu bedenken geben, dass ständig neue gesetzliche Vorschriften – vornehmlich aus der EU – in den Bereichen Sanitär und Heizungen in Bezug auf Energie, Umwelt, Hygiene oder Brandschutz den Forderungen der Politik, günstigen Wohnungsbau zu realisieren, entgegenstehen. Denselben Politikern ist offenbar nicht bewusst, dass solche Vorschriften vor allem zu Kostensteigerungen führen,
wodurch das Ziel nach günstigem Wohnungsbau konterkariert wird!

2013 verliess die alltech Installationen AG nach 16 Jahren ihren Standort in Kleinhüningen und eröffnete ihren Hauptsitz in Muttenz sowie den Standort in Arlesheim. Hat sich dieser Entscheid gelohnt? 
Kurt Hersperger: Auf jeden Fall. Nachdem wir in Kleinhüningen stark gewachsen waren, benötigten wir mehr Platz. Gerne wären wir in Basel geblieben, konnten aber keinen Standort finden, der unseren Bedürfnissen nach Büroflächen, Lagerraum, einer Werkstatt sowie Parkplätzen für unsere Servicefahrzeuge entsprach. Wir haben viel Zeit und Geld in die Suche investiert, aber Standorte auf dem Erlenmatt-Areal, Lysbüchel oder Dreispitz eigneten sich wegen mangelnder Parkplätze oder der meiner Meinung nach problematischen Gemischtnutzung von Wohnen und Gewerbe nicht. Viele Unternehmen stehen übrigens vor der gleichen Problematik und einige haben die Stadt bereits verlassen. Das ist schade, denn die Stadt braucht Gewerbebetriebe, weil sie einen beträchtlichen
Teil der Wertschöpfung ausmachen. Ich teile auch die Argumentation des damaligen Baudirektors nicht, es gebe in Basel-Stadt keinen Bedarf an Gewerbeflächen, da das Angebot mehr als genug sei.

«Family business»
Die alltech Installationen AG ist ein erfolgreiches Familienunternehmen, das von Firmenmitgründer und -inhaber sowie jetzigem VR-Delegierten Kurt Hersperger, der am 1. Januar 2021 seinen Posten als CEO an Mauro Fusco abgegeben hat, geprägt worden ist. Für die Kontinuität der «Hersperger-DNA» in der Geschäftsleitung sorgen dessen Kinder Tamara Hersperger (Human Resources) und Yannick Hersperger (Leiter Admin. & Logistik).

«Der Entscheid, das operative Geschäft in neue Hände zu legen, war ein mittelschwerer», sagt Kurt Hersperger. «Aber ich selbst habe die Nachfolgeregelung frühzeitig initiiert und beschlossen, mit 60 Jahren als CEO aufzuhören.» Ein solcher Schritt will jedoch wohlüberlegt sein. «Mir war bewusst, dass man einen Plan haben muss, um die nun frisch
gewonnene Freiheit zu nutzen, ohne in ein Loch zu fallen. Man muss nachlassen können und sich neuen Projekten widmen.» Kurt Hersperger scheint den Prozess des Nachlassens bereits verinnerlicht zu haben: Er hat zusammen mit seiner Frau, die ihn immer unterstützt
und in seinen Plänen bestärkt hat, neue, gemeinsame Ziele definiert und sogar begonnen, Golf zu spielen. «Schlussendlich bin ich als Verwaltungsratsdelegierter ja immer noch präsent und weiss dank meinen Kindern und den Kollegen in der Geschäftsleitung sowie dem neuen CEO Mauro Fusco das Unternehmen in den besten Händen.»

Für Sohn Yannick Hersperger (32) war der Entscheid, Mauro Fusco als CEO der alltech Installations AG einzusetzen, nicht nur nachvollziehbar, sondern wird auch von ihm voll mitgetragen: «In unserer Familie wie auch in der Geschäftsleitung herrscht eine offene Diskussionskultur, und unser Vater hat uns immer in seine Entscheidungen und Pläne, vor
allem auch in Bezug auf die Nachfolgeregelung, miteinbezogen. Wir haben sogar zusammen ein Nachfolge-Seminar an der HSG besucht und uns informiert.» Der gelernte Hochbauzeichner hatte im Betrieb praktische Erfahrungen – auch auf den Baustellen – gesammelt, ehe er in der Geschäftsleitung vom jetzigen CFO Roland Ming, der sich allmählich aus dem operativen Geschäft zurückzieht, wichtige Aufgaben übernahm. «Es war nie mein Ziel, direkt in die Teppichetage einzusteigen. Ich profitierte stark davon, die einzelnen Bereiche der Firma von Grund auf kennenzulernen und somit schrittweise immer
mehr Verantwortung zu übernehmen.»

Auch Tochter Tamara Hersperger (34), seit 2016 HR-Verantwortliche der alltech Installations AG, hat sich in den familieninternen Diskussionen und der Geschäftsleitung für die Wahl von Mauro Fusco als CEO und Nachfolger ihres Vaters ausgesprochen. «Bei uns zu
Hause war die Firma immer ein Gesprächsthema. Wir Kinder wurden schon früh in die Pläne unseres Vaters involviert und unsere Meinung wurde nicht nur gehört, sondern auch ernst genommen.» Tamara Hersperger arbeitete nach dem Besuch der Wirtschaftsmittelschule zuerst in der Immobilienbranche und nahm nach Reisen und einem
Sprachaufenthalt eine Weiterbildung an der HFW auf. «Mit dem Studium konkretisierte sich der Entschluss, in die Firma einzusteigen.» Ein Schritt, den sie dann 2013 vollzog. «Als HR-Verantwortliche beschäftige ich mich mit dem wichtigsten Kapital der Firma, unseren Mitarbeitenden, der Rekrutierung von qualifizierten Fachkräften – der Fachkräftemangel ist eines der grossen Themen in unserer Branche – und mit der Nachwuchsausbildung.» Aktuell geht die junge Mutter jedoch zuerst in den Mutterschaftsurlaub, um danach mit einem 80-Prozent-Pensum in ihre Kaderposition zurückzukehren. «Ich bin mit der Firma gross geworden und kann es mir nicht vorstellen, nicht mehr für sie zu arbeiten»,  versichert sie.

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